Online-Veranstaltung „Europa und die Türkei“

 

Als 2011 der sogenannte Arabische Frühling begann und in Tunesien und Ägypten die jahrzehntealten Regime hinweggefegt wurden, schien auch in der Außenpolitik die Stunde der Türkei zu schlagen. Nicht nur im Westen, sondern auch in der arabischen Welt richteten sich viele Augen auf die AKP- Regierung als Vorbildfunktion, wie in der Region zukünftig der politische Islam mit einem demokratischen System vereinbart werden könnte. Von dieser Aufbruchstimmung ist bis dato wenig übriggeblieben. Die blutige Niederschlagung der Proteste im Istanbuler Gezi-Park offenbarten, in welche Richtung die Reise gehen würde. Spätestens seit dem gescheiterten Putschversuch durch Teile des Militärs im Juli 2016 fährt Erdogan einen stark repressiven innenpolitischen Kurs. Dutzende Journalistinnen und Journalisten sitzen im Gefängnis, politische Oppositionelle werden gegängelt und ethnische Minderheiten werden unterdrückt. Der Kurdenkonflikt erlebte in den letzten Jahren erneut eine blutige Eskalation, regional wird eine aggressive Interventionspolitik betrieben. Präsident Erdogan steht mittlerweile mit dem Rücken zur Wand. Die Türkei hat mit einer Wirtschafts- und Währungskrise zu kämpfen, die durch die Pandemie und die Eingriffe des Präsidenten in die Politik der türkischen Zentralbank zusätzlich verschärft wurden. Erdogans Umfragewerte sinken. Auf Druck reagiert er allerdings mit noch mehr Repressionen. Im Sommer 2023 wird sowohl das türkische Parlament, als auch der türkische Präsident neu gewählt. Doch wie sich die Lage in der Türkei bis dahin entwickeln wird und wie sich die EU dahingehend positionieren sollte scheint offen.

In den vergangenen Jahren haben die Spannungen zwischen der EU und der Türkei erheblich zugenommen, das Verhältnis ist zerrüttet. Beide sind jedoch aufeinander angewiesen. Sowohl die EU, als auch die USA und die NATO betonen stets die geopolitische Bedeutung des Landes. Auch in Bezug auf das Flüchtlingsabkommen baut die EU weiterhin auf die Kooperation mit Ankara.

Im Frühjahr 2021 wollten die EU-Kommissionschefin von der Leyen und der Präsident des Europäischen Rates, Charles Michel, im Rahmen eines Treffens von Spitzenvertretern einen Schritt auf Ankara zugehen. Staatschef Erdogan wurde ein Fahrplan für eine mögliche Verbesserung der Beziehungen erläutert, innerhalb dessen die EU eine verstärkte Wirtschaftszusammenarbeit signalisiert. Michel stellte unter anderem auch eine Ausweitung der EU-Zollunion und Reiseerleichterungen für türkische Bürger in Aussicht. Die Bedingung war allerdings klar: Staatschef Erdogan müsse seine Provokationen gegenüber den EU-Mitgliedsstaaten Griechenland und Zypern auf Dauer einstellen.

Die Ansichten des türkischen Präsidenten Erdogan in Bezug auf die EU schwanken. Hatte er sich in den vergangenen Jahren eher zurückhaltend bis kritisch im Hinblick auf die EU und eine Mitgliedschaft seines Landes geäußert, so hat Erdogan jüngst seine Ambitionen

bekräftigt, der EU nach wie vor beitreten zu wollen. Zusätzlich sprach er sich für eine Erneuerung der Beziehungen zur EU aus.

Skeptiker plädieren für einen Abbruch der aussichtslosen Beitrittsgespräche, Beitrittsbefürworter hoffen auf eine Zeit nach Erdogan.

Zum Thema „Europa und die Türkei“ gibt es viel zu diskutieren. Wir laden Sie hierzu für den 10.06.2021 als Teilnehmende herzlich ein.

Als Experten begleiten uns durch den Abend:

Christian Buttkereit, Studioleiter und Korrespondent (SWR) des ARD-Hörfunkstudios Istanbul,

Jürgen Gottschlich, seit über 20 Jahren Korrespondent der TAZ in Istanbul und

Atila Karabörklü, Bundesvorsitzender der Türkischen Gemeinde in Deutschland.

Moderiert wird die Veranstaltung von Christian Höfer, Studienleiter der Europäischen Akademie Nordrhein-Westfalen.

Startzeit der Veranstaltung ist 18.15 Uhr, das geplante Ende gegen 19.45 Uhr.

Alle Interessierten sind herzlich eingeladen, nicht nur kostenlos an der Online-Veranstaltung via Alfaview teilzunehmen, sondern sich auch an den Diskussionen zu beteiligen.

Anmeldungen erbitten wir bis zum Tag der Veranstaltung um 16.00 Uhr unter breuer@eanrw.eu.

Wir freuen uns über Ihr Interesse und Ihre Anmeldung, gern schon jetzt!

Die Veranstaltung „Europa und die Türkei“ ist Teil der Onlinereihe „Europa und …“ der Europäischen Akademie Nordrhein-Westfalen e.V.

Ein weiterer Termin der Reihe „Europa und …“ ist:

„Europa und die Wahl in Deutschland“ am 24.06.2021.

Veranstaltungsdaten:
  • Ort: Online

  • Datum: 10.06.2021

  • Uhrzeit: 18.15 – 19.45 Uhr

  • Teilnehmende: interessierte Bürgerinnen und Bürger

Veranstaltungsflyer:

Europa und …

Ansprechpartner:

Viktor Eberl
Tel.: 0228 – 949301-18
Fax: 0228 – 949301-29
eberl@eanrw.eu

Anmeldung:

Anmeldung jeweils bis zum Tag der Veranstaltung unter: breuer@eanrw.eu